Anthony Scaramucci

„Talking Italian“ – Das Erbe Anthony Scaramuccis im Weißen Haus

Es schien natürlich wie ein gewagter Schritt, Sean Spicer – für viele nur noch das Dubel Melissa McCarthys und Inbegriff eines plötzlich neuen autoritären Führungsstil im Weißen Haus aufgrund einer seiner ersten Sätze im Amt: nie zuvor hätte es eine so große Menge an Zuschauern bei der Amtseinführung eines Präsidenten gegeben, Punkt – durch einen Showman wie Anthony „The Mooch“ Scaramucci auszutauschen. Und hier ist auch schon der erste Denkfehler, denn Spicer verlor nicht seinen Posten an Scaramucci, sondern bekam mit diesem einen neuen Vorgesetzten. Dennoch trat „The Mooch“ arbeitstechnisch in die Fußstapfen Spicers, was angesichts der großen Spuren, die letzterer hinterlassen hatte, schon fast als Mammutaufgabe gewertet werden könnte. Dass Scaramucci aber diese Herausforderung mit Bravour meistern würde, zeigte sich bereits am ersten Tag seiner Amtszeit. Und nicht nur das, es erklärte sich nun auch, warum Spicer sich freiwillig für einen Abtritt entschieden hatte: Der Mooch stellte den bisherigen Pressesprecher einfach um Lichtjahre in den Schatten, so dass man im Rückblick schon beinahe das Gefühl bekommt, Spicer hätte etwas von seinem Job verstanden.

Scaramucci war nicht bereit, so wie Spicer gleich von Beginn an sich die Presse der Vereinigten Staaten zum Feind zu machen, sondern probierte es eher mit dem Konzept „Butterbrot und Peitsche“. So verteilte er Luftküsse zum Abschied seiner ersten Pressekonferenz und bedrohte gleichzeitig kurz darauf einen CNN-Reporter mit der Entlassung sämtlicher Mitarbeiter im Weißen Haus, wenn dieser ihm nicht seine Informanten nenne. Weder der Luftkuss noch die imaginierte Geiselnahme schienen allerdings CNN oder irgendwelche anderen seriösen Medienvertreter zu beeindrucken. Vielmehr begann Scaramucci, sich als verbaler Luftikus zu etablieren. Unvergessen wohl, wie er einem CNN-Reporter von Informationen aus einer Quelle, die er nicht nennen wolle, erzählte, um dann kurze Zeit später auf Nachhaken des CNN-Reporters doch die Quelle zu offenbaren – und zwar niemand Geringeres als den Präsidenten persönlich. Oder als er behauptete, Steve Bannon würde Oralverkehr mit sich selbst haben. Oder als er behauptete, Donald Trump sei der klügste Mann, den er kenne. Oder als er sagte, am liebsten würde er alle geheimen Informanten des Weißen Hauses umbringen.

Das Spannende an der nun noch zusätzlich ungewöhnlichen, wenn nicht sogar viel mehr noch unvorstellbaren Art der Kommunikation zwischen Weißem Haus und Presse war letztlich wohl Scaramuccis Position: Kommunikationschef des Weißen Hauses! Wenn es wohl ein extremes Beispiel für die Phrase „den Bock zum Gärtner machen“ gibt, dann ist es die Ernennung Anthony Scaramuccis zum Kommunikationschef von irgendwas – abgesehen von der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, versteht sich.

Doch was soll nun auf „The Mooch“ folgen? Es kann nur eine langweilige, lieblosere Welt im Weißen Haus sein. Mit Sarah Huckabee Sanders als Pressesprecherin wird es nun die üblichen absurden faschistoiden Tiraden geben, die man von einer Oligarchen-Regierung erwartet. Statt Luftküssen nun Briefe von Kindern, die Donald Trump angeblich toll finden. Statt absurden Erpressungen nun nur noch subtile Erpressungen. Statt Offenlegung von geheimen Quellen nun wahrscheinlich Aussagen ohne jegliche Quellenangabe. Oder Plattitüden wie es die Pressesprecherin des Verteidigungsministeriums im Zusammenhang mit der verbalen Eskalation zwischen den USA und Nordkorea vormachte: Die gesamte US-Regierung, nein sogar die gesamte Welt (was dann laut den Gesetzen der Logik auch Nordkorea mit einbezöge) spräche mit einer Stimme.

Mit der Entlassung Anthony Scaramuccis ist dem Weißen Haus ein Paradiesvogel sondergleichen abhanden gekommen. Durch seinen Weggang wird es dem Weißen Haus an Liebe und Offenheit mangeln, wie man sie dort vorher nicht kannte. Und besonders wichtig: Scaramucci ließ durch seine Eskapaden selbst Donald Trump wie einen Menschen mit einigermaßen normalem Sozialverhalten aussehen. Und das ist vielleicht der größte Dienst, der dem derzeitigen Präsidenten erwiesen werden kann.

Bild: Anthony Scaramucci at SALT Conference 2016 (cropped) von Jdarsie11, Lizenz: CC BY-SA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.