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April ist the cruellest month

„April ist the cruellest month“, weil du nie weißt, was du wirklich glauben kannst. Der April macht uns zu Lügnern, schon am ersten Tag; gibt uns die Freiheit, mal so richtig rumzuflaxen, die Lüge Wahrheit sein zu lassen, für den kürzesten Moment, für den platten Lacher, die schnelle Pointe; lässt uns Fake sein, dass sich die Balken biegen.

Aber es liegt nicht an diesem einen Tag, er führt uns nur vor Augen, was viel tiefer in uns lügt; dass wir bewusst Unwahrheiten sagen können und genauso bewusst nicht mal wissen wollen, was an Wahrheit dahinter steckt.

April, dieser Fake Monat zwischen Winter und Frühling, der alles durcheinander windet, der das Blühen der Blumen und Bäume erst möglich macht, weil er Samen von einem Ort zum anderen weht und dort die Leben tragende Saat säht, aus der Größeres und besonders Grünes entsteht.

Er bringt die Neuigkeiten der Natur und verbreitet sie auf weiter Flur. So treffen Bio-News auf Kopfsteinpflaster, Rasen und Asphalt, fliegen weiter in so manches Auge, immer den fruchtbaren Boden im Blick. Der Augenblick, der gern auf immer Neuem weilt, auf Bildschirmen, Blättern und den Lippen, die immer Neues berichten, um das Alte zu vernichten.

Die Neuigkeiten der Menschen aber wehen nicht im Wechsel der Jahreszeiten durch die U-Bahnen, Stammtische und Internetforen. Sie trommeln und trumpeten im unaufhörlichen Strom durch unsere Geräte, in emotional befruchteten Reden von Demagogen und Populisten, die zum dauerhaften Aprilscherz verkommen. Lustig aber nicht, sondern mühselig im Kampf, in dem verzweifelte Narren in ihren Vernunftgebäuden wie aus dem Hinterhalt von durch Machthunger geschärften Messern erstochen werden, die Klinge noch gedreht im Rücken des gesunden Menschenverstandes.

Die Populisten warten nicht auf einen ruhigen Moment, haben ihre Fake News salonfähig gemacht, in steter Dauerbeschallung den gutgläubigen naiven Riss der kurzen Aufmerksamkeitsspannen suchend, in denen der hart erkämpfte Kritikmodus ausgeschaltet ist; prügeln mit einfachen Parolen selbst auf intelligente Schranken und hauchen braunen Zweifeln Leben ein.

Die Neuigkeiten der Menschen stehen über der Wahrheit, denn sie berichten nur die Fakten, die abhängig von Deutung und dem jeweiligen Wissen der Einzelnen ins Gute wie ins Schlechte gewendet werden können. So trifft das Wahre wie die Lüge auf den Einzelnen zuerst, nur korrigierbar in einem ausgewogenen Umfeld; zu oft aber findet es nur Filterblasen, in denen Vernunft immer das ist, was jeder selbst für vernünftig hält. Und dann laufen die Einzelnen los mit ihren falschen Ideen, gesellen sich zusammen wie gleichgeschaltete Meinungsherden auf grünen Frühlingsweiden und marschieren durch ein ödes Land, den April im Rücken, den cruellest month.

Foto von Pim Chu auf Unsplash

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