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„Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen!“ Zur Legalisierung von Cannabis in der BRD

Anlässlich des 4/20 (in Worten: fourtwenty), also dem inoffiziellen Feiertag der Hanffreundinnen und –freunde am 20. April, ist es mal wieder an der Zeit, die Gretchenfrage zu stellen: Deutschland, wie hast du’s mit der Inhalation? Mittlerweile meldet sich ja sogar der Bund deutscher Kriminalbeamter zu Wort, um der Debatte zur Legalisierung von Cannabis Auftrieb zu verleihen. Damit bekommen die Unterstützer der grünen Freude von den einst grünen Feinden unerwartete Rückendeckung. Cops solidarisieren sich nun also mit Kiffern, statt der JVA gönnt die Polizei nun jedem/r sein/ihr THC.

Dieser Schritt ist genau genommen längst überfällig. Denn als Verteidigerin der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland hat die Polizei dafür zu sorgen, einem Zustand, der auf rassistischer und korrupter Motivation fußt, Einhalt zu gebieten. Dazu ein kurzer Rückblick: bis 1929 waren Cannabis-Produkte in Deutschland noch legal erhältlich, diverse Arzneien wurden auf Hanfbasis hergestellt. Dies änderte sich durch ein internationales Abkommen, welches Handel mit und Gebrauch von Cannabis kriminalisierte. Interessanterweise trat das Deutsche Reich diesem Abkommen zunächst nicht bei, geriet dann jedoch durch Ägypten unter Druck, das drohte, die Einfuhr von Kokain und Heroin – beides Produkte deutscher Firmen, namentlich Merck und Bayer – Deutschland weiterhin der Cannabisverkehr gestattet sein. Offenbar war die Macht der Pharma-Kartelle damals ähnlich groß wie heute, denn nach der Intervention Bayers bei der Reichsregierung lenkte diese ein und kriminalisierte den Konsum von Cannabisprodukten.

Ägyptens Grund für sein vehementes Eintreten gegen Cannabis erklärt sich hauptsächlich aus einem intensiven Modernisierungsprogramm, dem sich das Land seit dem frühen 19. Jahrhundert unterzog. Es galt, dem Westen möglichst ähnlich zu werden. Alte Sitten wie das Kiffen störten da nur, zumal man im Begriff war, eine riesige Armee aufzubauen. Kiffen und Krieg passten schon damals nicht zusammen.

Verbote gegen Cannabis und seine Produkte entstanden ansonsten größtenteils im Zuge rassistischer Kolonialpolitik. So wurde bspw. im Britischen Empire sukzessive v.a. den indischen Kulis ihr Konsum untersagt und in Brasilien das Kiffen der schwarzen Sklaven unter Strafe gestellt. Der Höhepunkt war vielleicht die Kampagne des Medienmoguls William Randolph Hearst in den USA, welche Marihuana als Droge der Schwarzen, Mexikaner und Perversen präsentierte.

Offenbar profitierte auch die chemische Industrie von einem Hanfverbot: Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Schmerzmittel, die vorher noch aus Hanfprodukten bestanden, zunehmend von synthetischen Medikamenten – zu erwähnen wäre hier v.a. das Bayer-Produkt Aspirin – verdrängt. Außerdem war spätestens ab den 1930er Jahren für Hanf als Textilienrohstoff durch die Entwicklung von Polyamiden und Polyestern ein synthetisches Äquivalent gefunden worden.

Natürlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass kiffen gesundheitliche Gefahren mit sich bringt. Wie bei allen Produkten, deren Rauch eingeatmet wird, besteht das Potenzial einer Schädigung der Atemwege bis hin zu Krebserkrankungen. Wie bei allen Rauschmitteln können Schädigungen des Nervensystems, der Konzentrationsfähigkeit und Motorik auftreten. Ähnliche Effekte kennt man jedoch ebenfalls von Zigaretten- und Alkoholkonsum, welcher aber bekanntermaßen nicht verboten ist. Im Gegensatz zu diesen beiden Drogen hat Cannabis allerdings eine lange Geschichte als Arzneimittel, die schmerzlindernde und krampflösende Wirkung des Krauts lässt sich nicht leugnen. Ein Verbot von Cannabis aufgrund gesundheitlicher Bedenken ist daher also letztlich unlogisch.

Betrachten wir es mal von einer anderen Seite: Ab 1930, ein knappes Jahr nach der Kriminalisierung des Rauschkrauts, verzeichneten die Nationalsozialisten ihren bis dahin größten Erfolg bei Reichstagswahlen und wurden zweitstärkste Kraft im deutschen Parlament. Als die Nazis Deutschland in den Krieg trieben, verabreichten sie ihren Soldaten ein Methamphetamin, das heute unter dem Namen Crystal Meth bekannt ist. Auch der Führer ließ sich hierbei nicht lumpen und bekam täglich ein Gemisch aus Vitaminen, Koffein und Methamphetamin injiziert. Hätten die Deutschen 1929 also weitergekifft statt sich aufzuputschen, wäre die Geschichte des 20. Jahrhunderts vielleicht anders verlaufen. Allein schon aufgrund dieser vagen Hoffnung muss gelten: Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen!

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