Mein erstes Buch – Sofies Welt

Mein erstes Buch: Sofies Welt von Jostein Gaarder.

Mit 14 Jahren dachte ich, ich müsste geistig reifen. Ich las Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie von Jostein Gaarder. Ein 600-Seiten-Klopper, der mich von der ersten bis zur letzten Zeile fesselte.

Der Titel gefiel mir. Er klang nach Ferne, Abenteuer und Größe. Dem kleinstädtischen Leben entfliehen, mit dem Rucksack die Welt bereisen und kennenlernen. Das Buch nahm mich nicht nur mit in die Welt, sondern zeigte mir eine neue, andere Welt, nämlich die der Philosophie. Ich fragte mich, weshalb wir in der Schule die langweiligen Geschichtsbücher durchackerten, wenn es doch Sofies Welt gab. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre sein.

Ich wusste nichts über Lehrpläne. Ich wusste nur, dass sich die Lehrer in jedem Schuljahr strikt an die Vorgaben der Pläne hielten. Irgendwelche Klassenziele erreichen und nicht nachvollziehbare Pläne erfüllen, ohne ein Abzeichen dafür zu bekommen, war doch Quatsch.

Ich erinnere mich nicht mehr daran, ob ich das Buch geschenkt bekam oder ob ich es mir von meinem mühsam ersparten Taschengeld gekauft hatte. Es war einfach da, so wie der Brief eines Unbekannten, den Sofie eines Tages nach der Schule aus dem Briefkasten fischte. Sehr geheimnisvoll, geradezu mysteriös. Und dann diese existenziellen Fragen in den Briefen: Wer bist du? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Woher kommt die Welt?

Fragen, deren Antworten im übertragenen Sinne nur Fässer ohne Boden füll(t)en. Fragen, die einer 14-Jährigen gestellt wurden. Fragen, die mir bis dato niemals eingefallen wären. Doch bereits auf den ersten 30 Seiten hieß es nicht nur für Sofie „Mach dir ’nen Kopp!“.

Viele philosophische Thesen und Themen verstand ich, genauso viele aber auch nicht. Ich war 14! So alt wie die Protagonistin. Häufig las ich Absätze mehrmals, blätterte einige Seiten zurück, begann das Kapitel noch einmal von vorn. Ich zog mir Philosophie rein. Viel zu komplex. Da hätte ich zum besseren Verständnis auch noch einen Kurs über Quantenphysik belegen können. Trotzdem las ich Sofies Welt mit großer Begeisterung. Was ist in meinem Hirn hängen geblieben? Mut zur Lücke, oder wie Sokrates sagte: „Die Klügste ist die, die weiß, was sie nicht weiß.“ Dieser Satz rechtfertigte ab der 8. Klasse meine Faulheit. Ich wusste sehr genau, was ich für die Klausuren hätte lernen sollen. Das war Wissen genug.

Das Buch habe ich nie verliehen, weil ich immer Angst hatte, es nie zurückzubekommen. Es hat alle Umzüge überstanden und ist nicht auf Irrwegen verloren gegangen. Meine Ausgabe sieht benutzt und gelesen aus. Wie es sich für ein gutes Buch gehört.

Artikelbild: Photo by Jake Melara on Unsplash

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